Kein Bahnstrom aus Block 9!

Unter diesem Motto protestiert der BUND Baden-Württemberg derzeit gegen den Bau eines Kohlekraftwerks in Mannheim, dessen Strom zu einem relativ großen Teil von ca. 10 Prozent von der Deutschen Bahn AG abgenommen werden soll – was die Umweltfreundlichkeit des Verkehrsmittels Bahn natürlich ein wenig konterkariert. Bei einem Ausstieg der Bahn als Großabnehmer wäre das Projekt zumindest in Frage gestellt. Um den Protest zu unterstützen kann man über den BUND eine Protestmail an Bahnchef Grube schicken und so vielleicht zumindest für ein Nachdenken sorgen.

Gauck for President – und Schwarz-Gelb kann abdanken!?

Jetzt ist es endlich soweit, die endgültige Götterdämmerung für Schwarz-Gelb scheint gekommen – und das durch ein glasklares Eigentor. Denn mit der Weigerung von Mutti Merkel, den Kandidaten von SPD und Grünen, den DDR-Bürgerrechtler und späteren »Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik« Joachim Gauck, zu unterstützen und stattdessen auf Christian Wulff, den Ministerpräsident von Niedersachsen, zu setzen, ist die Chance vertan, einen von breiten Teilen der Gesellschaft anerkannten Mann als »ersten Mann« des Staates zu installieren.

Stattdessen hat wieder einmal die Parteipolitik gesiegt – zumindest bis zum Wahltag. Denn bereits jetzt zeichnet sich ab, dass es trotz des nominal klaren Vorsprungs für Wulff mehr als knapp für ihn werden könnte, insbesondere in der FDP ist Merkels Kandidat nicht unumstritten. Und so könnte es am 30. Juni einen Überraschungssieger Joachim Gauck geben.

Gauck hat sich am Wochenende in einen Interview für das heute journal sehr sympatisch präsentiert hat und gleich eines der Hauptprobleme der Politik der letzten Jahre zur Sprache gebracht hat: es herrsche eine Art »Sprachstörung«, durch die das Volk nicht mehr verstehe, was die Politiker denn meinen. Gleichzeitig wisse das Volk nicht mehr, wer denn der richtige Adressat für seine Anliegen sei. Mit anderen Worten: (Partei-)Politik hat sich zu einer abgehobenen eigenen Welt entwickelt, die der normale Bürger nicht mehr versteht und mit der er auch immer weniger zu tun haben will.

Genau dieses Problem ist auch der Hauptmakel des Kandidaten Christian Wulff: er ist eben ein typischer Parteipolitiker, der vermutlich in den gleichen Kategorien denkt wie diejenigen, die er als Bundespräsident immer wieder ermahnen sollte, sich am Bürger und nicht an den Machtinteressen der eigenen Parte zu orientieren. Natürlich kann auch ein Christian Wulff ein solcher Mahner werden und ich bin heilfroh, dass er und nicht die zunächst favorisierte Ursula von der Leyen nominiert wurde, doch aufgrund seiner Vita scheint mir Gauck doch der bessere Kandidat zu sein.

Warten wir also gespannt auf den 30. Juni in der Hoffnung, dass alle Mitglieder der Bundesversammlung verantwortungsvoll und nur ihrem Gewissen unterworfen ihre Stimme abgeben. Sollte Joachim Gauck tatsächlich das Rennen machen, könnte es für die schwarz-gelbe Regierung in Berlin richtig ungemütlich werden – zumal sie sich in den letzten Tagen mit ihren unausgewogenen Sparplänen ja noch weiter den Unmut des Volkes zugezogen hat.

Wie macht man alle Menschen satt?

So könnte eine deutsche Übersetzung von »How to feed the world?« lauten. Gedanken zu diesem Thema hat sich Denis van Waerebeke gemacht, ein Filmemacher aus Frankreich. Herausgekommen ist bei seinen Überlegungen ein Animationsfilm von knappen neun Minuten, in denen er auf leicht verständliche Weise erklärt, was in der gegenwärtigen Nahrungsmittelproduktion und -verteilung falsch läuft und was daran verbessert werden kann – auch durch jeden einzelnen von uns. Ein sehenswerter Film, der zum Nachdenken anregt:


How to feed the world ? from Denis van Waerebeke on Vimeo.

Meinungsfreiheit nach Gutdünken

»Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.« (Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Artikel 5)

Die letzte Woche hat mich wieder einmal an diesem wichtigen Grundsatz unseres Staates und unserer Gesellschaft zweifeln lassen: am Mittwoch hat Michael Lerchenberg als Bruder Barnabas beim Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg in seiner Fastenpredigt den Politikern die Leviten gelesen, sie »derbleckt«. Und dabei sind einige Politiker nicht besonders gut davongekommen, allen voran unser Außenminister Guido Westerwelle:

»Alle 'Hartz IV'-Empfänger sammelt er in den leeren, verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge, drumrum ein Stacheldraht - haben wir schon mal gehabt. Zweimal am Tag gibt's a Wassersuppn und einen Kanten Brot. Statt Heizkostenzuschuss gibt's zwei Pullover von Sarrazins Winterhilfswerk, und überm Eingang, bewacht von jungliberalen Ichlingen im Gelbhemd, steht in eisernen Lettern: Leistung muss sich wieder lohnen.« (via Telepolis)

Mit diesen Worten hat Michael Lerchenberg (gemeinsam mit seinem Ko-Autor Christian Springer) die Äußerungen Westerwelles in den letzten Wochen in meinen Augen ganz gut zusammengefasst, denn nach seinen Worten wird Deutschland ja geradezu »ausgesaugt« von einem wahren Heer an Arbeitsunwilligen – ein Missstand, den er baldmöglichst beheben wolle.

Die (zugegebenermaßen in der Formulierung etwas harte) Kritik des Fastenpredigers Lerchenberg wollte Westerwelle sich dann so aber nicht gefallen lassen (wie auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann), und so entwickelte sich ein Sturm der Entrüstung, unter dem nicht nur die beiden Autoren der Predigt einknickten, die nämlich ihren Hut nahmen, sondern auch der Bayerische Rundfunk, der in der Wiederholung des Starkbieranstich am Freitag Abend die entsprechenden Stellen kurzerhand entfernte, damit die so arg gescholtenen Politiker keinen Grund mehr zur Klage hätten.

Unbeachtet dieser schnellen »Bereinigung« der Situation haben etliche Politiker, darunter auch die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer, angekündigt das Spektakel nächstes Jahr nicht mehr zu besuchen. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer lies außerdem verlauten, dass der Nockherberg ohne Lerchenberg eine besser Zukunft vor sich habe – oder meinte er eher, dass die anwesenden Politiker angenehmere Tage in Aussicht haben?

Nach dem Sturz von Django Asül vor einigen Jahren hat es nun also nach nur drei Predigten den nächsten Bruder Barnabas hinweggeweht, der den Politiker die unangenehme Wahrheit »eingeschenkt« hat. Einstecken scheint also nicht unbedingt zu den Fähigkeiten zu gehören, die man als politische Spitzenkraft benötigt. Stattdessen teilt man (wie Westerwelle) lieber fleißig aus und besinnt sich ansonsten auf seine Beziehungen um unliebsame Störenfriede mundtot zu machen, eine etwas seltsame Interpretation von Meinungsfreiheit.

Solche Politiker will ich nicht als meine Vertreter sehen und sage daher mit Christian Springer alias Fonsi: »Auf Wiedersehen, Herr Westerwelle« (gefunden bei Zellmi)

Und schon wieder die Bahn!

Die Deutsche Bahn mausert sich so langsam zu einem meiner Hauptthemen hier, heute hat es ein offener Brief des Telepolis-Autors Joachim Jakobs an den Bahn-Chef Rüdiger Grube hierher geschafft. In diesem fasst er unter dem Titel »Wenn der Lokführer keine Blähungen hat und die Sonne scheint« einige der Pannen und Ungereimtheiten der letzten Jahre – vom Bespitzelungsskandal über die Panne bei den ICE-Zügen (die ja erst ab 2011 behoben werden soll) bis hin zu den neuen Erkenntnissen über den Bau der Strecke München–Nürnberg, bei der zu wenig Material verbaut und dafür aber zu viel verlangt wurde.

Obwohl Jakobs auch meine Stimmung in vielen Punkten trifft, muss ich den Bahnchef doch ein wenig in Schutz nehmen: schließlich ist es ja keine leichte Aufgabe einen solchen Mammut-Konzern zu lenken, wobei jeder Bürger und vor allem jeder Politiker zu wissen glaubt, wie das geht. Gleichwohl sollte die Bahn (und vor allem einige ihrer Mitarbeiter) sich noch stärker bemühen, in den Passagieren echte Fahr-GÄSTE und KUNDEN zu sehen und diese auch so zu behandeln – von (halbwegs) freundlicher Behandlung bis hin zu einer deutlich verbesserten Informationspolitik. Und die Politik sollte dem (deutlich umweltfreundlicheren) Verkehrsmittel gerade in Zeiten des Klimawandels die Bedeutung verleihen, die ihm zusteht, auch gegen die Automobilhersteller und ihre Lobby!

Die Bahn und der Strom

Ich bin überzeugter Bahn-Fahrer, und zwar hauptsächlich aus zwei Gründen

  1. Die Zeit in der Bahn ist keine vergeudete Zeit: im Gegensatz zum Auto, wo ich die ganze Fahrt über voll konzentriert sein muss (oder zumindest sollte), kann ich in der Bahn die Zeit der Fortbewegung nutzen – und sei es nur, um mein Schlafdefizit etwas abzubauen. 
  2. Die Bahn ist deutlich umweltfreundlicher als andere Verkehrsmittel: das stimmt zwar nicht ganz beim Vergleich mit Fahrrad oder den eigenen Füßen, aber auf längere Strecken ist das System Bahn z.B. im Vergleich mit Auto oder Flugzeug deutlich im Vorteil.

Damit sich die Bahn bei Punkt Nummer 2 noch weiter verbessern kann, hat Greenpeace jetzt eine Petition gestartet, die zum Ziel hat, dass bei der Bahn mehr umweltfreundlich erzeugter Strom zum Einsatz kommt. Nachdem die Bahn nun letztens angekündigt hat, verstärkt auf regenerative Energie zu setzen und dazu ganze sechs (!) ICE-Züge vollständig mit Windstrom zu betreiben, gleichzeitig aber weiter massiv Kohlestrom einsetzen will, kann man sich jetzt an der Aktion »Machen Sie mit uns die Bahn mobil« beteiligen und damit den Stop eines neuen Kohlekraftwerks in Niedersachsen fordern.

Ob das ganze letzten Endes etwas bewirkt, kann man wie bei allen solchen Aktionen natürlich bezweifeln, aber es kostet außer zwei Minuten Zeit nichts und setzt zumindest ein Zeichen an die zuständigen Herren im Bahnvorstand. In diesem Sinne: Bahnfahrer Deutschlands, vereinigt euch!

Bahn und Sicherheit

Beim Durchsehen der »gefavten« Artikel meines Instapaper-Accounts bin ich auf ein längeres Interview mit dem Journalisten Winfried Wolf über systematische Sicherheitsmängel bei der Bahn, insbesondere im Fernverkehr. Als langjähriger Bahnpendler (jeden Tag einfach 50 Kilometer) bin ich ja mittlerweile einiges gewohnt – nicht-schließende Türen, im Winter nicht oder im Sommer gut funktionierende Heizungen, selbstheilende Triebfahrzeugstörungen, etc. Die Liste ließe sich fortsetzen, doch all das sind eigentlich nur »Schönheitsfehler«, ich fühle mich im Zug generell sicher und gut aufgehoben – ein Gefühl, das sich beim Lesen des Interviews spontan verflüchtigt:

»Materialüberlastung ist das falsche Wort« – Teil 1

»Die Bahn fährt generell auf Substanz, auf Verschleiß« – Teil 2

Dabei bestärkt das ganze nur meine Meinung, dass ein funktionierendes Schienenverkehrsnetz nur dann funktionieren kann, wenn zumindest die Betriebseinrichtungen, also Schienenwege, Bahnhöfe und so weiter, eben nicht dem allgegenwärtigen Zwang zum Gewinn unterworfen sind. Aus diesem Grund lehne ich auch schon seit Anfang an die abstrusen Pläne zur Privatisierung der Bahn ab. Der einzig sinnvolle Weg wäre in meinen Augen die Wiederverstaatlichung des Schienennetzes in einer Netz-AG, die dann allen Wettbewerbern zu gleichen Bedingungen Zugang gewährt. Zum Glück ist der geplante Börsengang durch die Krise jetzt erstmal vom Tisch und vielleicht (die Hoffnung stirbt zuletzt) besinnen sich die Politiker bis zum nächsten Aufkeimen der Idee …

Als das Geld vom Himmel fiel

Mit diesem Titel ist ein längerer Artikel in ZEIT online überschrieben, der den Weg der unvorstellbaren Geldbeträge nachzeichnet, die zur Bekämpfung von Finanzkrise und drohender Kreditklemme von der Europäischen Zentralbank ausgegeben wurde.

»1,5 Billionen Euro haben die Zentralbanken seit der Finanzkrise erschaffen. Sie gaben sie den Banken, die damit der Wirtschaft wieder auf die Beine helfen sollten. Doch bei Autoherstellern und Maschinenbauern ist das Geld nie angekommen. Wo ist es geblieben?«

Die Antwort macht einen teils wütend (über das verhalten einzelner Akteure), teils traurig (wegen der Macht- und gleichzeitigen Alternativlosgkeit). Absolut lesenswert:

»Als das Geld vom Himmel fiel«

Lebensmittel sind (nicht) für alle da!

Als Nachtrag zum Eintrag »Leben aus der Mülltonne« von gestern, bei dem es um weggeworfene Lebensmittel bzw. um die ungerechte Verteilung von Lebensmitteln ging, hier zwei Artikel von Telepolis, die das ganze noch untermauern:

Armenland USA? (12 Prozent der US-Amerikaner brauchen bereits Lebensmittelmarken)

Menge der Lebensmittel, die weggeworfen werden, hat drastisch zugenommen (40 Prozent der Lebensmittel landen bereits auf dem Müll - gleichzeitig ist das Körpergewicht der Amerikaner kräftig angestiegen)